Neue Hoffnung für das Veddeler Wasserkreuz?
Bericht über die Veranstaltung in der Freien Akademie der Künste
Am Dienstag, dem 21. Februar veranstaltete die Hamburgische Architektenkammer einen Informationsabend zum Thema Veddeler Wasserkreuz. Eine Diskussion um den Erhalt der Niedernfelder Durchfahrt fand dabei aber nicht statt, da alle Redner in dem einen, wesentlichen Punkt übereinstimmten: Dass es nämlich ein fataler Fehler wäre, diesen Wasserweg allein des Geldes wegen zu opfern. Die Teilnehmer waren sich darüber einig, dass der Erhalt des Wasserkreuzes wichtig für die strukturelle Entwicklung der Stadt Hamburg ist – bemerkenswert ist hierbei vielleicht, dass auch die Vertreter der CDU und der Wirtschaft diese Ansicht vertraten. Die Befürworter einer Teilzuschüttung (durch die die Stadt Hamburg ca. 10 Millionen Euro durch den Wegfall von vier renovierungsbedürftiger Brücken sparen würde), sind trotz ausdrücklicher Einladung nicht erschienen.
Die gut besuchte Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Freien Akademie der Künste markiert einen weiteren Punkt im Entscheidungsprozess um die Niedernfelder Durchfahrt. Schon zweimal wurde die Abstimmung in der Bürgerschaft über die Teilzuschüttung des Veddeler Wasserkreuzes durch Skeptiker aus den Reihen der Koalition verhindert. Aller Voraussicht nach werden nun die von verschiedenen Seiten geforderten Gutachten in Auftrag gegeben, so dass die von der Koalition ursprünglich gewünschte schnelle Entscheidung gegen einen kompletten Erhalt der Verkehrswege immer unwahrscheinlicher wird.
Bei der gestrigen Veranstaltung wurden die anwesenden Gäste und Medienvertreter über die Gründe informiert, die gegen eine Zuschüttung und für die Instandhaltung aller Veddeler Brücken sprechen. Die Argumente für den Erhalt der zehn renovierungsbedürftigen Brücken sind sowohl zahlreich als auch äußerst vielfältig, wie die folgenden Ausschnitte aus den Beiträgen der Redner deutlich machen.
Hans-Wolf Gerlach, Unternehmensverband Hafen Hamburg:
Seit Jahren hat der Hafen Hamburg Wachstumsschübe im zweistelligen Bereich, und in Zukunft brauchen wir alle Transportwege: Straße, Schienen und Wasser. Die Vernichtung von Verkehrswegen ist deshalb nicht akzeptabel. --- Die Betriebe, die aus dem mittleren Freihafen in den Spreehafen und Hansahafen umziehen müssen, brauchen die Durchfahrt unbedingt. --- Eine Zuschüttung wäre ein schwerer Fehler, der nicht revidiert werden kann.
Reinhard Wolf, Handelskammer Hamburg:
Ein Wasserweg, der im Moment wenig genutzt wird, kann in Zukunft sehr wichtig werden. Darüber hinaus ist die Durchfahrt wichtig für den Tourismus, dem Wirtschaftszweig, der nach der Hafenwirtschaft am stärksten boomt. --- Hamburg wird mit Hafen und maritimem Leben assoziiert, das zeigen alle einschlägigen Studien aus der Meinungsforschung. Eine erlebbare Hafenwelt muss die Attraktionen über den Wasserweg vernetzen. --- Auch in Hinblick auf kommende Olympiabewerbungen ist die Niedernfelder Durchfahrt wichtig. Selbst wenn Hamburg nicht Austragungsort künftiger Olympischer Spiele wird, so werden doch im Rahmen der HafenCity-Bebauung wohl spätestens zwischen 2020 und 2030 auf dem Kleinen Grasbrook Sportstätten entstehen.
Karl-Heinz Ehlers, CDU:
Die Besucher, die aus den USA oder anderen Ländern kommen, um zu sehen, wo ihre Vorfahren mit dem Schiff abgereist sind, können doch nicht mit dem Bus dorthin fahren, sie müssen die Ballinstadt auf dem Wasserweg erleben. --- Wir brauchen kein „Gegengutachten“, sondern eine neutrale Untersuchung; es muss vernünftig überlegt werden. --- Die Stadt Hamburg lebt auch von ihren Brücken.
Carola Veit, SPD:
Die Berechnungen, die die benötigte Geldsumme auf 10 Mio. Euro beziffern, weisen mehrere Fehler auf. Deshalb ist eine neue Untersuchung und eine neue Berechnung notwendig. --- Hamburg steht mit dem entstehenden Auswanderungsmuseum in Konkurrenz zu Bremerhaven. Außerdem würden neben den Auswandererhallen auch der Spreehafen abgeschnitten und somit entwertet. --- Es wird gesagt, dass die Veddel kein Hinterhof mehr sein und erlebbar werden soll, jedoch wird genau hierfür dieser Wasserweg gebraucht.
Dietrich Rusche, CDU:
Ein Dammbau wäre ein nicht wieder gutzumachender Fehler. --- Die jetzt vorliegenden Zahlen und Untersuchungen sind nicht ausreichend und überdies veraltet. Es wird ein neutrales Gutachten benötigt, hierfür gibt es mehrere erstklassige Adressen in Deutschland. --- Der Senat besteht aus vernünftigen Leuten, deshalb kann man zuversichtlich sein.
Gert Hinnerk Behlmer, Stiftung Hamburg Maritim:
Ballinstadt und Ballinpark brauchen diesen Wasserweg, der Sprung über die Elbe darf nicht in einer „Sackgasse Hansahafen“ enden. --- Es geht um 10 Mio. Euro bei einem Gesamtetat von ca. 1 Milliarde: 99% der Hamburger Investitionen müssten demnach wichtiger sein als das Veddeler Wasserkreuz – dies ist jedoch nicht der Fall. --- Die Brücken sind nicht alle in gleichem Maße marode; dies muss genauer untersucht werden.
Prof. Dr. Lisa Kosok, Museum der Arbeit:
Die Brücken prägen das Stadtbild und haben einen hohen emotionalen und historischen Wert – wer mit dem Zug in Hamburg ankommt, der sieht das Veddeler Brückengewirr, das einfach zur Stadt Hamburg dazugehört. --- Die Barkassenlinie zum Auswanderermuseum Ballinstadt muss regelmäßig fahren und gut getaktet sein; dies ist nur mit dem Erhalt der Niedernfelder Durchfahrt zu erreichen. --- Viele Aspekte sind bisher unberücksichtigt geblieben, deshalb muss erneut geprüft werden.
Volker Krause

