Jetzt wird es amtlich: Niedernfelder Durchfahrt wird zugeschüttet

Die Niedernfelder Durchfahrt steht vor dem aus. von Klaus Lübke
Die Würfel sind gefallen: Trotz des Widerstandes der Handelskammer, der Hafenschiffer des Industrieverbandes, der Stiftung Maritim, und nicht zuletzt der örtlichen Bürger und Politik hat Ole von Beust in der CDU-Bürgerschaftsfraktion ein Machtwort gesprochen. Er erwarte Fraktionsdisziplin. 10 Mio € können nicht für die Niedernfelder Durchfahrt ausgegeben werden, auch nicht, wenn davon 7 Mio € als Zuschuss von der EU kommen. Damit hat sich die Hamburg Port Authority, das ehemalige Amt für Strom und Hafenbau, alleine mit fiskalischen Argumenten durchgesetzt.
Die Entscheidung begründeten Ole von Beust und der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernd Reinert in gleichsinnigen Schreiben an der Hafenschifffahrtsverband und die Handelskammer.
Heute soll die Entscheidung, die Mittel für die Zuschüttung freizugeben vom Haushaltsausschuss der Bürgerschaft gefasst werden, morgen debattiert die Bürgerschaft darüber. Bei der absoluten Mehrheit der CDU besteht am Ausgang der Abstimmungen kaum Zweifel.
Mein Kommentar:
Den Blick fest in die Vergangenheit gerichtet, werden Verkehrswege zugeschüttet, die wir in Zukunft bitter vermissen werden.
Strom und Hafenbau verweist dabei auf eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2002. Wir erinnern uns: Damals war weder vom Sprung über die Elbe, noch von dem Bau zusätzlicher Containerterminals im Hafen die Rede.
Nicht nur die Ballinstadt wird abgeschnitten sein. Viel schmerzlicher ist, das erneut klar wird, das es keine Strategie gibt, wie der Verkehr im Hafen in wenigen Jahren funktionieren soll.
Bald werden sollen doppelt so viele Container umschlagen werden wie heute. Wer aufmerksam die Zeitungen ließt, stellt fest das wir bereits heute am Rande der Kapazität arbeiten was das Straßennetz und die Hafenbahn betrifft.
Selbst eine Hafenquerspange, deren Realisierung immer noch in den Sternen steht, käme auf jeden Fall zu spät und bringt keine endgültige Lösung.
Dagegen ist auf dem Wasser noch Kapazität, und mit dem Containertaxi und der Port Feeder Barge liegen machbare Konzepte vor.
Wasserstraßen trotz der erkennbaren Engpässe zu Lande zuzuschütten ist deshalb kurzsichtig. Der Verkehr im Hafen, der Blutkreislauf steht kurz vor dem Infarkt. Schaffen wir nicht bald Lösungen, wird es mit der Konkurrenzfähigkeit des Hamburger Hafens schlecht bestellt sein.
Fast nebensächlich ist es da zu erwähnen, das auch die städtebaulichen Zukunftschancen der Stadtteile Veddel und Wilhelmsburg und die Bedeutung der Hafenbecken empfindlich geschmälert werden. So haben wir uns den Sprung über die Elbe nicht vorgestellt.

