Hertas Stübchen soll weg

Ressorts: Politik, Hafen, Quartiere — Wilhelmsburger InselRundblick am Freitag, 29. September 2006 um 12:29 Uhr

Hertas Stübchen am Köhlbranddeich
Viele WilhelmsburgerInnen kennen es, ehemalige NeuhoferInnen allemal: Auf Steinwerder, Tollerortweg Ecke Köhlbranddeich, bei der ehemaligen Köhlbrand-Trajektfähre gibt es eine Gaststätte, die einmalig ist.

Sie ist notwendige Infrastruktur für die Menschen, die dort noch leben oder arbeiten, aber auch gernbesuchter Ort der Erinnerung für diejenigen, die in der Nähe gearbeitet haben, auf Neuhof gelebt haben. Das Essen ist rustikal, gut und preiswert. Echt Hafen eben. Von Herta Pahl gegründet, war es ursprünglich Mitarbeiterkantine von Container-Pahl. Jetzt gibt es schon die zweite Folgebewirtung, ohne dass sich der Charakter großartg geändert hätte.

Das soll nun alles nicht mehr sein. Ende des Jahres sind die Mietverträge beendet. Container-Pahl muss auch weg und natürlich auch der kleine Karaoke-Klub mitsamt den anliegenden Gebäuden aus dem vor-vorletzten Jahrhundert. Die beiden benachbarten Hafenbecken sind zugeschüttet, der Vulkanhafen schon etwas länger – er ist jetzt in eine Asphaltfläche verwandelt; der Kohlenschiffhafen, wo Gunter Gabriel sein Hausboot hatte, ist größtenteils aufgeschüttet, ein letztes Loch bei der ehemaligen Werft wird derzeit verfüllt.

Überallhin soll sich TCT, der zur HHLA gehörige Tollerort-Container-Terminal, ausbreiten. Noch verläuft der Zollzaun zwischen TCT und Hertas Stübchen: Teils noch mit kaiserlichen Zinnen, teils aus U-Boot-Fangnetz des 2. Weltkriegs gebaut. Die Beseitigung des Zauns scheint – im Gegensatz zum Spreehafen – hier kein Problem zu sein. Eine Sicherung wenigstens von Teilen des historischen Zauns als Denkmal ist dagegen noch nicht gelungen.

Die Straße nach Köhlbrandhöft soll immerhin bleiben. Seltsam an der ganzen Sache ist, dass selbst die kleine Hütte am Straßenrand stört.

Vielleicht wird der Platz hinterher ähnlich aussehen wie beim ehemaligen U-Boot-Bunker Elbe II am Vulkanhafen. Eine Firma soll 30 Mio Mark erhalten haben, um ihn zu beseitigen, was zu ihrer Pleite führte, den Bunker aber nicht zum Verschwinden brachte. Eine weitere Firma hat ihn schließlich in jahrelanger Arbeit abgetragen bekommen. Mal angenommen, die ganze Bunkerbeseitigung hätte 30 Mio € gekostet, so hätte die Schaffung der jetzigen Asphaltfläche dort 3500 € je Quadratmeter gekostet (bei ca 8500m² Grundfläche des Bunkers). Eine Fläche, die offenbar niemand braucht und jetzt leersteht.

Vielleicht kommt der Senat ja demnächst auf die Idee, das Alsterhaus abzureißen, um dort Verschläge zur Aktenlagerung zu errichten. Und um dann zu erkennen, dass das Lagern von Akten eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Der öffentliche Aufschrei wäre in so einem Falle sicher. Im Hafen können HHLA und Port Ossorriti einfach machen.

Jörg v. Prondzinski

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Dieser Artikel erschien zuerst im Wilhelmsburger InselRundblick 09/2006

Foto: Volker Krause

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