Ärgernis Zollzaun
Der Freihafenzaun ist wiederhergestellt
Der Freihafenzaun im Norden Wilhelmsburgs verwehrt den Veddelern und Wilhelmsburgern den Zugang zum Spreehafen, der Wilhelmsbuger "Alster". Um von der einen Seite des Zollzauns zur anderen zu gelangen, muss ein Umweg von bis zu vier Kilometern bestritten werden. Politiker aller Parteien – in erster Linie jedoch auch die Bürger der Stadtteile – verlangen seit Jahren die Verlegung des Zollzauns bzw. die Schaffung von Durchgängen. Beides wäre machbar, der Zaun gilt auf den Elbinseln als Relikt.
Am 11. Januar hatte der Wintersturm "Franz" den Zaun zwischen Harburger Chaussee und Berliner Ufer auf einer Länge von 100 Metern umgeworfen und zugleich einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der durch die "göttliche Fügung" geöffnete Abschnitt wurde auf der Südseite mit einem Baustellenzaun umgrenzt. In Wilhelmsburg keimte sofort Hoffnung auf: Der Zaun sei ja offensichtlich marode und deshalb lohne sich eine Reparatur nicht.
Die zuständigen Behörden in Hamburg und Berlin scheint das Problem bisher wenig zu kümmern, bei Nachfragen verweisen sie gern an eine jeweils andere Stelle. Dass es jedoch ein Fehler wäre, dieses Problem weitere Jahre auszusitzen, zeigt sich am deutlichsten, wenn man die Leitkonzepte IBA Hamburg, Wachsende Stadt und Sprung über die Elbe anschaut. Aus der Vielzahl der aufwendigen und vermutlich teuren Konzept-Texte hier nur ein Zitat des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust:
Die Zukunft Hamburgs liegt im Süden. Und ich glaube, dass diese Einschätzung aus vielerlei Gründen richtig ist. Warum ist sie richtig? Zum einen gibt es die Möglichkeit, am Wasser entlang zu wachsen. Es ist eine einmalige Chance und ein großer Standortvorteil Hamburgs, die städtebauliche Entwicklung nicht an abstrakten Entwicklungsachsen zu vollziehen, sondern in unmittelbarer Nähe des Wassers zu gestalten. Manchmal glaube ich, dass Hamburg sich erst allmählich bewusst wird, welche riesigen städtebaulichen Chancen eine Stadt am Wasser hat. Bislang haben wir die Elbe mit dem Hafen in erster Linie als ökonomische Kraftlinie der Region gesehen. Aber ich glaube, dass Hamburg – mit seiner Architektur, der Lebensqualität, dem Wohlfühl-Faktor und den Wachstumspotenzialen – enorme Chancen bietet, die Stadt am Wasser weiterzuentwickeln.
Quelle: IBA-Memorandum
Seit gestern ist der Zollzaun nun wieder repariert. Ganze drei Wochen konnten sich die Wilhelmsburger am Bild des befreiten Deiches erfreuen. Sie hoffen, dass dies ein Ausblick auf das war, was noch kommt: eine wachsende Stadt auf den Inseln, in der auch ihre Wünsche wenigstens teilweise berücksichtigt werden. Zu nennen wären derer viele, so zum Beispiel ein Fuß- und Radweg über die Norderelbe in Richtung Holzhafen oder ein angemessener Lärmschutz entlang der Hauptverkehrsadern. Mit der Schnellreparatur des Zollzauns an der Harburger Chaussee will man sich jedoch nicht sofort abfinden: Carola Veit von der SPD hat eine der Problematik entsprechende kleine Anfrage an den Hamburger Senat adressiert.

Handwerker bei der Schließung des Zollzauns, der neue Stacheldraht fehlt noch, am 01.02.2007
Bild ganz oben: Das letzte Loch vor der Wiederherstellung, am 01.02.2007
Auf beiden Fotos sieht man im Vordergrund den Bauzaun.
Externe Links zum Thema:
Artikel Hamburger Abendblatt 23.01.2007

