Kulturinitiativen in der Quartiersentwicklung: Eine Nachlese
Was hat Stadtplanung mit Kulturarbeit zu tun? Sind Quartiersmanagement-Ansätze aus anderen Stadtteilen auf Wilhelmsburg übertragbar? Diesen und anderen Fragen gingen die Referenten und das Plenum am 31. Mai 2007 bei der von der SRL organisierten Veranstaltung "Kulturinitiativen in der Quartiersentwicklung - Werkberichte über Praxisbeispiele aus anderen Quartieren" nach.
Aus den Werkberichten über das Quartiersmanagement am Osdorfer Born und auf der Veddel, zwei Wohnvierteln mit hohem Migrantenanteil - in beiden Stadtteilen sind jeweils Menschen aus etwa 70 verschiedenen Ländern beheimatet - und dem ökonomischen Quartiersmanagement Große Bergstraße/Neue Große Bergstraße - einer heruntergekommenen Einkaufsstraße in Altona - wurde sehr schnell deutlich, dass jeder Stadtteil sein eigenes Profil benötigt und dass die Zusammenarbeit zwischen Quartiersentwicklern und Kulturschaffenden ein je eigenes Gesicht hat.
Auch wurde festgestellt, dass die Ziele des Quartiersmanagements jeweils einen Anstoß für den Einstieg in die Kulturarbeit lieferten, da Kulturarbeit zentrale Voraussetzungen für die Durchführung von Bürgerbeteiligungsformen schaffen kann. Weitere Ziele des Quartiermanagement liegen in der Belebung von Orten (seien es vernachlässigte Wohnquartiere oder leer stehende Einkaufsstraßen), der Verbesserung des Wohnumfelds bzw. der Geschäftslage, der Entschärfung sozialer Brennpunkte und der Behebung städtebaulicher Missstände.
Weiterhin zeigte sich im Verlauf des Abends, dass Kulturarbeit ein geeigneter Weg sein kann, um Bürger unterschiedlichster kultureller Herkunft von "zuhause abzuholen" und somit die Voraussetzung für eine breite Bürgerbeteiligung zu schaffen. Das Ziel ist es dabei, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen außerhalb ihrer vier Wände Raum zu geben, damit sie ihre Kultur entfalten und für andere sichtbar machen können. Dies kann wiederum die Basis für eine gelungene Integration darstellen, so die Referenten.
Es wurde ebenfalls darüber diskutiert, dass großflächiger Leerstand als städtebaulicher Missstand eine Herausforderung ganz anderer Art darstellt. Hier steht die Suche nach neuen Nutzungen, bei fehlenden Investitionen die Suche nach Zwischennutzungen, die einerseits an vorhandenem Bedarf anknüpfen und andererseits positive Impulse für das Quartier bringen, im Mittelpunkt. Und genau an dieser Stelle entsteht die notwendige Verbindung zwischen Quartierentwicklung und Kuturarbeit: Kunst und Kultur bietet ein vielseitiges Beteiligungspotential für Akteure und Besucher und kann als "Werbung" für den Stadtteil auch nach außen wirken.
In der Diskussion drängten sich Fragen auf wie: Haben die lobenswert angestoßenen Kulturinitiativen eine Überlebungschance für die nächsten Jahre? Was wird etwa aus dem Kultwerk West, wenn das ehemalige Karstadt-Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt wird? Dem Hafenklangexil im sogenannten Frappantgebäude droht schon jetzt die vorzeitige Kündigung. Und was wird aus den interkulturellen Gärten am Osdorfer Born, wenn das Quartiersmanagement ausläuft? Was wird aus dem Veddeler Brückenschlag, wenn die IBA den geplanten Kultursommer auf der Veddel nicht ausreichend finanziell unterstützt und keine weiteren Förderer gefunden werden können? Kann die IBA die Kunst- und Kulturszene in Wilhemsburg, auf der Veddel und auf der Harburger Schlossinsel dauerhaft bereichern? Was bringt Kunsttourismus mit sich und was bringt es den Einheimischen?
Als Forderung kann festgehalten werden: Man kann und darf nicht die ganze Arbeit auf ehrenamtliches Engagement verlagern, Kulturinitiativen brauchen (bezahlte) Organisatoren, und ohne finanzielle Unterstützung geht es häufig nicht. Kulturarbeit braucht geeignete Räume, und nachhaltige positive Effekte lassen sich nur über dauerhafte finanziell abgesicherte Verhältnisse schaffen.
Die Diskussion zu diesen Themen ist noch lange nicht zu Ende. So plant die SRL eine Podiumsdiskussion am 28. Juni dieses Jahres, wo u.a. die Frage diskutiert werden soll, wie sich lokale Kulturinitiativen in den städtebaulichen Veränderungsprozess einbringen können.

