Neues Altes vom Zollzaun

Ressorts: Wirtschaft, Politik, Hafen, IBA/IGS, Quartiere — Volker Krause am Samstag, 23. Juni 2007 um 17:40 Uhr

Seit Jahren versuchen Hamburger Politiker und Bürgerinitiativen, eine Verbesserung des Zollzaun-Problems am Spreehafen herbeizuführen. Anlässlich des Spreehafenfestes, bei dem einmal im Jahr ausnahmsweise die Tore des Zauns aufgeschlossen werden, hat der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg aktuelle Informationen zu diesem Katz-und-Maus-Spiel politischen Prozess gesammelt. Hierbei offenbart sich viel Bekanntes, aber auch einiges Neues.

Das Problem ist in seiner Einfachheit vielen Hamburgern hinlänglich bekannt: Wer im Bereich Veddel/Wilhelmsburg Nord an der Harburger Chaussee steht und einen Spaziergang am 20 Meter entfernten Wasser machen möchte, muss zunächst einige Kilometer westwärts laufen, um den Durchgang an der Ernst-August-Schleuse zu passieren, danach wieder stramm ostwärts marschieren und ist letzlich nach einer guten Stunde Fußweg auf der anderen Seite des Zauns angelangt. Rechnet man den Rückweg noch mit ein, so eignet sich ein solcher Ausflug gut und gerne als Vorbereitung für einen Halbmarathon. Es wundert also nicht, dass sich viele Anwohner für die Öffnung, Teilöffnung oder Verlegung der alten Freihafengrenze einsetzen.

Doch nicht nur der hohe Eisenzaun, auch das Senatskonzept "Sprung über die Elbe" hat mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel. Während die IBA Hamburg GmbH zum Bürgerdialog über die Elbinseln aufruft ("Wieviel Gucci verträgt die Elbinsel?") und hierzu eine von der Werbeagentur Scholz & Friends entwickelte Großkampagne in den Hamburger Medien und auf Plakatwänden durchführt, müssen Lokalpolitiker und Elbinsel-Bewohner Sisyphos-Arbeit leisten, um von Behörden stets die gleichlautenden Antworten zu erhalten.

Gerne wird von Hamburger Seite auf das Bundesministerium der Finanzen als oberste Instanz in Zollfragen verwiesen, jedoch antwortet dieses zuletzt im März 2007:

[...] die Zollverwaltung einer Aufhebung der Hamburger Freizone aufgeschlossen gegenüber steht. Es ist allerdings zunächst Aufgabe der zuständigen Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg, die hierfür erforderlichen politischen Initiativen zu ergreifen und einen entsprechenden Antrag zur Änderung des Freihafengesetzes zu stellen. [...]

Der Hamburger Senat verweist hingegen weiterhin auf das Bundesministerium, wie die letzte Anfrage von Carola Veit (SPD) zeigt. Eine sieben Punkte umfassende Kurzübersicht zur Zukunft der Freihafengrenzen hat in diesem Monat die Handelskammer Hamburg herausgegeben. Es handelt sich hierbei um konkrete Vorschläge zur Verbesserung des im Hafen oft stockenden Verkehrsflusses.

Das Problem der fehlenden Durchgänge hätte sich, folgte man diesen Vorschlägen, en passant erledigt, da die Harburger Chaussee in dem Beschluss der Handelskammer nicht mehr als Freihafengrenze vorgesehen ist. Die Kammer hatte sich bereits bei der Diskussion um das Veddeler Wasserkreuz als umsichtiger Akteur gezeigt, der wirtschaftlich sinnvolle Umstrukturierungen mit dem Bürgerwohl in Einklang zu bringen versucht.

Es bleibt zu hoffen, dass das Problem Zollzaun nicht bis zum IBA-Jahr 2013 oder darüber hinaus ausgesessen wird. Die Bürger der Elbinseln jedenfalls wünschen sich den Zugang zum Wasser schon zu lange.


Im Folgenden eine Auflistung der oben genannten Dokumente:

Beschluss der Handelskammer Hamburg (Juni 2007)
www.elbinsel.net/news/docs/handelskammervorsch...

Erklärung des Vereins Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg (Juni 2007)
www.elbinsel.net/news/docs/zukunft-spreehafen....

Anfrage von Carola Veit und die Antwort des Senats (Mai 2007)
www.carola-veit.com/?p=1564

Stellungnahme des Bundesministeriums der Finanzen (März 2007)
www.elbinsel.net/news/docs/bm-finanzen.pdf

Elbinsel.net: Ärgernis Zollzaun (Februar 2007)
www.elbinsel.net/news/2007/02/02/argernis-zoll...

weitere Dokumente und Artikel zum Thema
www.insel-im-fluss.de/Spreehafen/Zaun-Anfragen...

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Kommentare zu dieser Nachricht:

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Kommentar von Anton

Freitag, 30. Mai 2008 @ 13:15

Die Bestrebungen und Wünsche sind nachvollziehbar, dennoch gibt es Detailfragen, die in der Gesamtheit die einfachheit der Forderung absurd beziehungsweise sogar gefährlich erscheinen lassen.

Zugang zum Wasser?
Das gesamte Berliner Ufer bzw. die Wasserflächen sind an die Privatwirtschaft verpachtet.

Viele Spaziergänger nutzen das Potsdamer und Berliner Ufer. Besucher kommen sogar vom Alten Elbtunnel per Rad. Natürlich geht alles bequemer. Die Pizzabringdienstquote erscheint im Bereich der Harburger Chaussee auch höher als in Eimsbüttel.

Die Ideen zur neuen Nutzung der Wasserflächen, negieren meist die Probleme des Tidehafens und der Vordeichlage. Sturmflutlagen und wichtiger Deichschutz haben Gesetzesregelungen zur Folge, die Nutzungen sehr einschränken oder einfach sehr teuer machen. Der Wasserzugang wird wie auch immer nur mit hohen Kosten realisierbar werden - wieder wird es privatwirtschaftlich und das sich die rechnen muss - teuer.

Grundsätzlich sollte der Gedanke Raum nehmen, dass Wilhelmsburg und auch Perlen wie das Reiherstiegviertel so sind, weil sie eben nicht mit allen Annehmlichkeiten einer Zentralenanbindung mit Freizeitwert für elitäre Vergnügungen aufwarten.
Der Freihafen und andere Dinge, wie z.B. die Industrie und Gewerbedurchmischung, die etwas umständliche Anbindung sind Schutzwälle vor den massiven Aufwertungsbestrebungen und Kapitalzuflüssen des Hamburger Immobilienmarktes.
Zollzaun weg, jeder Affe kann sein Boot hinlegen, Gastronomie hin, Latte für 2,80 schlürfen, nach dem Fahrradhighway muss das auch mit dem Cabrio gehen.. 120qm im Vogelhüttendeich - Parkett versteht sich.
Ich geh ne Wette ein: Je erfolgreicher Ihr "Guten" sieid, desto schneller wirds ernst und ganz andere Leute übernehmen die Gestaltung. Es gibt wahrlich kein Vergleichbares Investitionsgebiet in Hamburg.

Abschließend ein Blick nach New York City: Das verträumte Williamsburg - der Cafè Latte kostet 5.50 in der Bedfordstreet - noch vor 15 Jahren 1$ mit "free refill". Die damaligen Bewohner fingen an, Ihre Interessen mit Stimmen derer zu rechtfertigen, die ihren Wegzug indirekt erzwangen.
Und das werden SPD, CDU, FDP und auch die GAL für die wachsende Stadt ebenso in Kauf nehmen.

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Kommentar von Anton

Freitag, 30. Mai 2008 @ 13:18

Nachtrag: Für den einen Dollar gabs natürlich keinen Café Latte - Filterkaffe aus der Warmhaltekanne.
Danke für den Hinweis.

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