Honigfabrik im neuen Gewand

An diesem Wochenende wird das Kulturzentrum Honigfabrik nach anderthalbjährigen Umbauarbeiten wiedereröffnet. Aus diesem Anlass veröffentlicht Elbinsel.net einen dreiteiligen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Honigfabrik. Heute: Dritter und letzter Teil der Serie.
"Hast du Durst, oder hast Du's dick? Dann schieb dir deine Mütze ins Genick und komm in die Honigfabrik!". Mit diesem Stück handgemachter Musik lockten die ersten Aktivisten Publikum ins Haus. Anfangs belächelt oder gefürchtet als Trutzburg der linken Spinner und der rebellierenden Jugend, war die Honigfabrik jahrelang fast der einzige Treffpunkt für die unterschiedlichen Szenen in Wilhelmsburg. Die Honigfabrik an der Industriestraße, am Rande des Wohnviertels, entwickelte sich zum Kulturzentrum. Das Musikprogramm lockte immer auch Publikum aus Hamburg und dem weiteren Umland an und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Aber nicht nur das Programm brachte frischen Wind in die Wilhelmsburger Kulturszene. Auch in Sachen Jugendbildung war die Honigfabrik ihrer Zeit voraus. Die im Haus ansässige Freie Schule Hamburg stellte mit ihrem Modellversuch die herkömmliche Schule auf den Kopf: freiwilliges Lernen in kleinen Gruppen, Projekte, in denen wirklich fürs Leben gelernt wird. Der schuleigene Buffet-Service hat sich mittlerweile etabliert. Damals der absolute Sonderfall, sind diese Konzepte im Rahmen von Bildungsoffensive und Schulreform heute sehr gefragt.
Doch auch die Honigfabrik war nie eine Insel der Seligen auf der Elbinsel; alle Veränderungen des Umfelds wirkten auch nach innen. Zum Beispiel war der Wegzug vieler Bewohner deutlich zu spüren und wirkte sich auch auf Besucherzahlen aus. Das ambitionierte Theater- und Kabarettprogramm – die Drei Tornados und Mathias Beltz traten auf – musste mangels Zuschauern eingestellt werden. Dafür profilierte sich das Musikangebot.
In den gut ausgebauten Werkstätten etablierten wir zu Beginn der 1990er Jahre Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekte, um Jugendlichen des Stadtteils Perspektiven zu bieten. Noch 1996 gab es große weiterführende Ideen: "Warum kann man nicht z. B. Solardächer auf Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden in unseren Werkstätten realisieren? Oder die Berufsaktionstage für Mädchen, die einmal jährlich in der Honigfabrik stattfinden, ausbauen. Der Gesichtspunkt muss bleiben: Wie nützlich sind diese Werkstätten für die Menschen, die drumherum wohnen? Und wie können wir aus diesen Ideen Projekte machen, an denen sich Menschen qualifizieren können?"
So weit kam es leider nicht, denn die Bundesanstalt für Arbeit, die diese ABM-Projekte förderte, änderte ihre Schwerpunkte hin zum Dienstleistungsbereich; gewerblich-technische Qualifizierung war nicht mehr gefragt. Nun suchen wir wieder neue Wege, die Werkstätten zu nutzen und neue Ateliers in Kooperation mit Schulen für kreative Angebote bereitzustellen.
Bürgerbeteiligung war ab 1997 das zentrale Thema in Wilhelmsburg – wir waren dabei. Mitarbeit im Beirat für Stadtteilentwicklung, in Arbeitsgruppen, auf Veranstaltungen. In der Honigfabrik entstanden neue Ideen für Kulturinitiativen im Stadtteil: endlich wieder Kino in Wilhelmsburg, und das Kunstprojekt "Lädenleuchten", das jetzt im fünften Jahr stattgefunden hat, wurde hier angeschoben. Im Kinderbereich gab es neue Formen der Kulturarbeit: die Sommerakademien in – wie der Name schon sagt – den Sommerferien.
Auch die Geschichtswerkstatt ging neue Wege: Jugend-Theaterprojekte in Kooperation mit dem Gymnasium KIWI, eine Austausch-Reise nach New York. Gleich zweimal wurden diese Projekte mit Preisen ausgezeichnet: Stadtteil-Kulturpreis 2005 und die "Hamburger Tulpe" der Körber-Stiftung im Jahr 2007.
Dies alles in einem Gebäude, das innen den Charme eines Jugendzentrums der 1970er Jahre ausstrahlte. Das war einfach nicht mehr zeitgemäß. Zwei Umstände kamen unserem Wunsch nach Erneuerung entgegen: der "Sprung über die Elbe" und das Sanierungsverfahren, in dessen Rahmen die Honigfabrik nun ihre Gestalt und ihr Innenleben modernisierte, finanziert mit Mitteln der BSU. Wir finden: eine gelungene Synthese aus historischer Bausubstanz und spannender Architektur, am besten sichtbar an unserem neuen Leuchtturm... Aber seht selbst, wir freuen uns auf viele neugierige Besucher ab 28. März, wenn die Türen der Honigfabrik wieder offen sind.
Maggi Markert
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Dieser Text erschien zuerst im Wilhelmsburger InselRundblick 03/2008
Foto: "Honigfabrik am 29.03.2008", (c) Krause

